Qantas hat sich entschieden: Der Airbus A350-1000 soll das Flugzeug für „Project Sunrise“ werden. Damit ist die Konkurrentin von Boeing, die 777X, aus dem Rennen. Allerdings ist noch immer nicht klar, ob Qantas sein Ultralangstrecken-Projekt auch wirklich in die Tat umsetzt.

Nonstop von Sydney nach London und New York: Qantas-Chef Alan Joyce hält an seinem Plan fest, mit „Project Sunrise“ ab 2023 ein neues Kapitel in der Geschichte der Langstreckenflüge aufzuschlagen. Zwei Testflüge haben die Australier bereits absolviert, der dritte ist für den 17. Dezember angesetzt. Die bisherigen Ergebnisse stimmen die Qantas-Führung offenbar zuversichtlich: Man habe „großes Vertrauen“ in den Markt für die geplanten Direktflüge und erwarte eine ausreichend hohe Nachfrage, um das Projekt zum Erfolg zu führen, so Joyce. Die Erfahrungswerte, die Qantas aus der seit zwei Jahren bedienten Strecke von Perth nach London sammeln konnte, bestärken die Australier zusätzlich in diesem Glauben. Allerdings wolle man noch bis zum Frühjahr 2020 abwarten, bevor man definitiv grünes Licht für das Vorhaben erteile – auch weil es intern noch ein paar Weichen zu stellen gibt.

James D Morgan/Qantas

Für die „Project Sunrise“-Testflüge nutzt Qantas fabrikneue Boeing 787. Dieses Muster kommt für den kommerziellen Einsatz auf der Ultralangstrecke aber nicht in Frage.

A350 sticht Boeing 777X

In jedem Fall hat Qantas mit der Auswahl des Flugzeugtyps nun die nächste Stufe für „Project Sunrise“ gezündet: Der Airbus A350-1000 soll das Flugzeug sein, mit dem sich der Känguruh-Carrier 2023 den Nonstop-Weltrekord sichern möchte. Diese Entscheidung verkündete Qantas via Pressemitteilung zu nachtschlafender mitteleuropäischer Zeit – und Airline-Chef Joyce nannte persönlich den Grund dafür, warum der Airbus-Vorschlag letztlich der konkurrierenden Boeing 777X den Rang abgelaufen hat: „Die A350-1000 ist ein fantastisches Flugzeug und der Vertrag mit Airbus bietet uns die beste Kombination aus kommerziellen Bedingungen, Treibstoff-Effizienz, Betriebskosten und Zufriedenheit der Kunden.“ Vor allem aber habe sich die A350-1000 mit ihren Rolls-Royce-Trent-XWB-Triebwerken in mehr als zwei Jahren im Einsatz als sehr zuverlässig erwiesen – was man von Boeings 777X noch nicht behaupten kann: Dort hatten anhaltende Probleme mit dem GE9X-Turbofan den eigentlich für Frühjahr 2019 terminierten Erstflug bis ins kommende Jahr verzögert. Zuletzt war die 777X außerdem in die Schlagzeilen geraten, weil ihr Rumpf einem Belastungstest nicht standhielt und riss. Darüber hinaus wäre für Qantas lediglich die kleinere 777-8 als Muster in Frage gekommen – deren Weiterentwicklung liegt bei Boeing aber aktuell auf Eis. Das deshalb vom US-Hersteller vorgelegte Übergangsangebot konnte die Herzen der Australier wohl nicht ausreichend erwärmen.

Airbus

Für Qantas will Airbus die A350-1000 unter anderem mit einem zusätzlichen Treibstofftank ausrüsten.

Piloten sollen A330 und A350 fliegen

Um sein Flaggschiff für die Qantas-Ultralangstrecke fit zu machen, wird Airbus die A350-1000 mit einem zusätzlichen Kerosintank ausstatten. Außerdem soll das maximale Startgewicht des Flugzeugs geringfügig erhöht werden: von 316 auf 319 Tonnen. Diese Maßnahmen sollen der A350 die benötigte Reichweite von 18000 Kilometern bescheren. Geflogen werden sollen die bis zu zwölf Maschinen, die Qantas ordern will, von bereits bei der Airline beschäftigten A330-Piloten. Eben jene könnten jedoch bei der Entscheidung pro oder contra „Project Sunrise“ das Zünglein an der Waage spielen: sind sie doch laut Alan Joyce „die letzte Effizienzlücke“ im Konzept, die es zu stopfen gelte. Sie müssten sich unter anderem bereiterklären, sowohl die A350 als auch weiterhin die A330 zu fliegen. Im Gegenzug winkt Qantas ihren Piloten mit jährlich drei Prozent mehr Gehalt und besseren Aufstiegschancen.

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