ATR launcht STOL-Variante der ATR 42-600

Foto: ATR

Auf dem Pariser Aérosalon heimste ATR bereits erste Aufträge für das Flugzeug ein, doch gestartet ist das Programm erst heute: Auf einer Pressekonferenz verkündete ATR-Vorstandschef Stefano Bortoli offiziell, dass es eine Kurzstart-Variante der ATR 42-600 geben wird – die ATR 42-600S.

ATR 42-600S nennt der italienisch-französische Regionalflugzeugbauer sein neuestes Mitglied in der erfolgreichen Turboprop-Familie. Die STOL-Version der ATR 42-600 soll im Linienverkehr von 800 Meter kurzen Runways operieren können – mit bis zu 40 Passagieren an Bord. Zum Vergleich: Die Standardvariante der ATR 42-600 braucht zum Abheben mindestens 1050 Meter, kann dafür aber bis zu 50 Fluggäste aufnehmen.

Die ATR 42-600 ist die modernste Variante des Regional-Turboprops ATR 42 und fliegt seit 2007 im Liniendienst. Die ATR 42-600S wird auf diesem Muster basieren.

20 Aufträge stehen schon im Orderbuch

Mit der jetzt gelaunchten STOL-Version zielt ATR insbesondere auf den Flugverkehr zwischen kleinen Insel- oder Gebirgsflugplätzen mit kurzen Landebahnen, die mit Flugzeugen oberhalb der Twin Otter-Klasse oft nur unzureichend bedient werden können. Laut ATR gebe es auf der ganzen Welt rund 500 Airports mit Runways zwischen 800 und 1000 Metern Länge, für die die ATR 42-600S wie geschaffen sei. Insgesamt sollen laut ATR bereits 20 Bestellungen für die STOL-Variante der ATR 42 vorliegen. Zu den ersten Käufern der ATR 42-600S gehört zum Beispiel Air Tahiti. Die Airline aus Französisch-Polynesien hatte bereits im Juni auf dem Pariser Aérosalon in Le Bourget zwei Maschinen bestellt. Weiterer Launch Customer ist die irische Leasinggesellschaft Elix Aviation, die zehn ATR 42-600 geordert hat – ebenfalls in Le Bourget. Wer hinter den anderen acht Bestellungen steht, verriet der Hersteller noch nicht. Schon im Juni hatte ATR-CEO Stefano Bortoli allerdings seine Freude über den „Vetrauensbeweis“ seitens der Kunden ausgedrückt, der einen Programmstart der ATR 42-600S umso wahrscheinlicher werden ließ. Dies sei „eine großartige Nachricht für alle Orte, die in Zukunft von einer besseren Anbindung profitieren werden“, so Bortoli damals.

Air Tahiti zählt zu den Launch Customern der neuen STOL-Version ATR 42-600S. Die Airline betreibt bereits zwei ATR 42-600 und acht ATR 72-600.

Mehr Power für den Startlauf

Um den STOL-Regionalflieger innerhalb der genannten 800 Meter in die Luft zu bekommen, sollen die beiden PW127M-Turboprops von Pratt & Whitney Canada per Software-Upgrade beim Startlauf eine erhöhte Leistung von jeweils bis zu 2750 PS abrufen können, gegenüber den je 2400 PS der Basisvariante. Für mehr Auftrieb soll der Take-off standardmäßig mit Klappen in 25-Grad-Position erfolgen. Für die verkürzte Landestrecke sorgen dagegen automatische Bremsen, die direkt beim Aufsetzen volle Bremsleistung liefern. Zusätzliche Störklappen an den Tragflächen tragen ebenfalls ihren Teil zur schnellen Verzögerung bei. Ein vergrößertes Seitenruder soll im Langsamflug optimales Handling garantieren. Eine neue Musterzulassung für das Flugzeug muss nicht beantragt werden – die bereits fest bestellten Flugzeuge sollen laut ATR zwischen 2022 und 2024 an ihre neuen Betreiber gehen.

UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/atr-42-600s-regional-turboprop-fuer-kurze-runways-atr-launcht-stol-variante-der-atr-42-600/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder.